Ann Castro – Die Vogelschule
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Papagei beißt? Sittich greift dich an? Hier sind meine Top Tipps! (Teil 2)

Dies ist Teil 2 der Serie, „Was kannst du tun, wenn dein Sittich oder Papagei beißt? In diesem Podcast- & Blog-Artikel gebe ich dir eine Übersicht der besten Tipps für Beißen & Aggressionen bei Papageien & Sittichen. Im ersten Teil hatten wir über den Unterschied zwischen Beißen und Aggressionen gesprochen und wie du zu diesen Problemen beiträgst. Wenn du Teil 1 noch nicht gehört oder gelesen hast, dann ist es für dich sinnvoll, dies jetzt erst einmal nachzuholen.

Du kannst dir diesen Text auch als Podcast anhören:

Wenn dir mein Podcast gefallen hat würde ich mich riesig über eine ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️-Rezension freuen. 💖 Hier geht's zur Rezension:


In dieser Folge

  • Warum du deinem Papagei oder Sittich Fluchtmöglichkeiten gewähren solltest
  • Warum dein Vogel es nicht Schuld ist, wenn er beißt
  • Wie du mit Sittich- & Papageientraining Beißen & Aggressionsprobleme lösen kannst.
  • Die wichtigste Regel bei beißenden Papageien & Sittichen

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Weiter geht‘s mit meinen Top Tipps für Halter von aggressiven oder beißenden Papageien und Sittichen.  

1. Übernimm die volle Verantwortung

Du kannst nur die Dinge ändern, für die du die Verantwortung übernommen hast. Wenn du jemand anderem - deinem Vogel zum Beispiel - die Schuld gibst, ist das eventuell gut für dein Ego, weil, du bist es nicht schuld. Und das fühlt sich erst einmal gut an. Aber du gibst damit auch deine Macht ab, die Situation zu verbessern. Beiß also deine Zähne zusammen und übernimm die Verantwortung. Diese Vorgehensweise hat übrigens einen Namen: „Extreme Ownership“. Ich hatte darüber im Detail in meinem Podcast, „Was kannst du von Navy Seals für deine Papageien & Sittiche lernen?“, gesprochen. Wenn du den gehört hast, dann weißt du schon, was das ist. Wenn nicht, kannst du das nachholen unter www.dievogelschule.com/18

Ich habe einen ganzen Podcast diesem Thema - Verantwortung übernehmen - gewidmet, weil ich es so wichtig finde. Also übernimmt die Verantwortung für alles was passiert. Auch wenn es dir widerstrebt. Und auch wenn du jetzt - noch - glaubst, dass die anderen es schuld sind. Die Macht sei mit dir!

2. VOGELKUNDIGEN TIERARZT BESUCHEN

Beißen und Aggressionen können gesundheitliche Ursachen haben; Zum Beispiel wenn dein Papagei oder Sittich Schmerzen hat. Das ist das Offensichtlichste. Aber auch weniger dramatische gesundheitliche Probleme reichen aus, damit dein Vogel nicht er selbst ist. Wenn er sich zum Beispiel unwohl fühlt

Wie bist du drauf, wenn du Kopfschmerzen hast und jemand dich „nervt“? Oder wenn dir übel ist? Oder wenn du einfach nicht genug Schlaf hattest? Bist du dann so tolerant und ausgeglichen anderen gegenüber, wie du es bist wenn du dich topfit fühlst? Dein Vogel eben auch nicht.

Eine gründliche Untersuchung verschafft Klarheit und ist wirklich wichtig. Mit Anti-Aggressions-Therapie oder Sittich- & Papageientraining und schon gar nicht mit ein paar Tipps, kannst du kein Leberproblem lösen. Oder was auch immer dein Vogel hat. Damit solch eine Untersuchung auch wirklich etwas bringt, musst du dafür unbedingt zu einem richtig guten, auf Papageien & Sittiche spezialisierten Tierarzt gehen, der über das Wissen und die Erfahrung verfügt, um auch nicht so offensichtliche Probleme aufzudecken. Das kann nicht jeder.

3. HALTUNG OPTIMIERE​​​​N

Das ist ein Riesenthema. Die Haltung betrifft nicht nur Käfig, Voliere oder Vogelzimmer deines beißenden Papageis oder Sittichs. Sie dient nicht nur seiner und deiner Sicherheit oder der Sicherheit Anderer oder deiner Einrichtung. Haltung geht weit darüber hinaus und beinhaltet die gesamten Lebensumstände deines Problemvogels. 

Eine Überprüfung der Haltung beinhaltet ebenfalls Fragen wie zum Beispiel: Hat dein Vogel genug zu tun? Langweilt er sich? Kann er sich austoben? Hat er genug Gesellschaft? Wie sieht es mit Luftfeuchtigkeit aus? Mit seiner Ernährung? Bekommt dein Vogel ausreichend UV-Licht. Das hört sich jetzt vielleicht viel an, aber es sind nur ein paar Beispiele. Es gibt noch viel mehr Fragen, die du dir stellen solltest. Kurz und knapp zusammengefasst: Die Haltung deines Vogels muss seine sozialen, körperlichen und geistigen Bedürfnisse erfüllen. 

Eine allererste Orientierungshilfe dazu ist das „Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien“ des Bundesministeriums. Dieses Gutachten definiert, wie eine tierschutzgerechte Haltung mindestens aussehen muss. Wie der Name schon sagt, ist das natürlich nur das absolute Minimum. Mehr ist immer besser und insbesondere, wenn du mit deinem Vogel bereits Probleme hast, unbedingt ratsam. 

4. BEOBACHTE DEINEN PAPAGEI ODER SITTICH

Wie ich bereits in der vorherigen Podcast Folge erklärt habe, wird beißen - unabsichtlich natürlich - oftmals vom Halter ausgelöst. Man wurschtelt so vor sich hin und ist mitunter auch ein bisschen betriebsblind gegenüber dem, was man tut.

Viele Halter bemerken gar nicht, was sie alles tun, um zu dem Problem beizutragen. Das musst du also ändern. Das heißt, nimm dich zurück und beobachte deinen Papagei oder Sittich ganz genau. Schau, wie sich die Körperhaltung ändert, die Körperspannung, das Gefieder, die Augen, usw. Schau wirklich ganz genau hin. Wenn du das gut genug machst, lernst du, die Auslöser des Beißens zu verstehen und frühzeitig zu erkennen. Dadurch bekommst du die Fähigkeit, dein Verhalten und somit die ganze Situation zu ändern. 

5. VERMEIDE BISSE

Aus Punkt 4 folgt Punkt 5. Vermeide Situationen, in denen du von deinem Papagei oder Sittich gebissen werden könntest. Beißen ist selbstverstärkendes Verhalten. Anders gesagt ein Verhalten, das in sich bereits eine Befriedigung enthält. Folglich ist es ein Verhalten, das automatisch bei jeder Durchführung belohnt und somit verstärkt wird. 

Je öfter du dich beißen lässt, desto mehr festigt sich das Verhalten bei deinem Vogel. Deshalb musst du unbedingt vermeiden, gebissen zu werden!

6. AGGRESSIVES VERHALTEN IGNORIEREN

Wenn du Punkt 5 nicht gut genug befolgt hast und dein Papagei oder Sittich sich aggressiv verhält, angreift oder sogar gebissen hat, musst du dieses Verhalten unbedingt komplett ignorieren. Jede Reaktion könnte nämlich das ungewollte Verhalten deines Vogels unabsichtlich belohnen, folglich verstärken, dadurch festigen und mit der Zeit verschlimmern.

Das Ignorieren gilt natürlich auch für alle anderen anwesenden Personen, unabhängig davon, ob sie Familienmitglieder, Mitbewohner, Freunde oder Gäste sind. Deren Reaktionen können nämlich auch belohnend und verstärkend wirken.  

7. KEINE BESTRAFUNGEN

Wenn dein Papagei oder Sittich jemanden gebissen hat, darfst du ihn nicht bestrafen. Zum einen ist es dein Vogel wirklich nicht schuld, sondern du. Dadurch, dass du alles, wirklich alles im Leben deines Tieres kontrollierst, kann es der Vogel gar nicht schuld sein. Deshalb ist es hochgradig unfair, ihm die Schuld zu geben und ihn zu bestrafen.  

Darüberhinaus können alle „Bestrafungen“ möglicherweise auch verstärkend wirken. Das heißt, du darfst nicht, „Nein!“, schreien oder „Böser Vogel!“. Du darfst ihn auch nicht aus der Situation wegnehmen zum Beispiel, um ihn zu seinem Käfig zu bringen. All dies ist entweder Drama oder Aufmerksamkeit oder beides, die als unbeabsichtigte Belohnungen für deinen Papagei oder Sittich wirken und somit das unerwünschte Verhalten verstärken könnten. Dies gilt selbstverständlich ebenfalls für Familienmitglieder, Mitbewohner, Freunde und Gäste.

Klapse, Anspritzen und andere Misshandlungen aller Art sind natürlich aus ethischen Gründen selbst wenn ein Sittich oder Papagei beißt ausnahmslos tabu. Aber ich hoffe mal, dass du so etwas sowieso niemals machen würdest und erwähne die hier einfach mal der Vollständigkeit halber.

8. ERSATZVERHALTEN ÜBEN

Verhalten zu ersetzen ist effektiver als Aggressionen, Bisse und Angriffe, lediglich zu ignorieren. Durch gezieltes Training kannst du deinem Papagei oder Sittich Verhalten beibringen, die es für unmöglich, dass dein Sittich oder Papagei beißt, also das unerwünschte Verhalten durchführt. Wenn du zum Beispiel deinem aggressiven Vogel beibringst, ein Glöckchen mit dem Schnabel zu berühren oder sich an eine bestimmte Stelle in der Voliere zu setzen, wenn du fütterst, dann ist es ihm unmöglich, dich gleichzeitig anzugreifen.

Außerdem kannst du ihm durch gemeinsames Training Kommunikationswege eröffnen, sodass er nicht mehr beißen muss, um „gehört“ zu werden.

9. SIMULIEREN DER REGENZEIT

Wenn dein Vogel an sich lieb ist, aber während der Brutzeit zur Furie wird, dann kann das Simulieren der Regenzeit helfen, das Thema schneller zu beenden. Zumindest bis zum nächsten Jahr. Zum Simulieren der Regenzeit duscht du Papageien und Sittiche ungefähr drei Wochen lang täglich drei bis fünf Mal gründlich, also wirklich pitschnass, ab. Dies simuliert die Regenzeit, die oftmals mit der Brutzeit einhergeht. Ist diese vorbei, sind es die Angriffe und Bisse oftmals auch. 

Außerdem verbrauchen Duschen und Gefiedertrocknen viel Energie, die Vögel in der Gefangenschaft oft im Überschuss haben. Dieses Duschen ist - das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen - kein Bestrafen, kein Anspritzen des Vogels, sondern ein sanfter Regen von oben. Achte außerdem bitte darauf, dass nach der letzten Dusche noch ausreichend Zeit vorhanden ist, damit deine Papageien und Sittiche bis zur Nachtruhe wieder völlig durchgetrocknet sind.

10. ÜBERSCHÜSSIGE ENERGIE ABBAUEN

Gib deinen Papageien und Sittichen die Möglichkeit, sich körperlich und geistig zu verausgaben, zum Beispiel durch Sittich- und Papageientraining. Das kann sein, Flugtraining oder Apportierspiele, die körperlich anstrengend sind. Oder - anderes Beispiel - Such- und Sortierspiele, die geistig anstrengend sind. 

Zusätzlich kannst du auch Aggressionsspiele einsetzen, die deinem Tier intensiv helfen, ganz gezielt Aggressionen zu entladen, ohne dass irgendwer dabei zu Schaden kommt. Ein beschäftigter Vogel, der sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet wird, ist nämlich erst einmal ein braver Vogel.

11. RESPEKTIERE SEINE GRENZEN

Papageien und Sittiche beißen häufig, weil Halter ihre Ängste ignorieren und sie bedrängen. Dem Vogel bleibt dann kein anderer Ausweg, als zu beißen, um sich ungewollte Nähe vom Hals zu halten. Deine Einschätzung ist übrigens völlig irrelevant. Es zählt einzig und allein, wie dein Vogel die Situation empfindet. Das heißt, wenn dein Sittich oder Papagei beißt oder droht, dann hast du ihn bereits bedrängt, ob du wolltest oder nicht und ob du dir dessen bewusst warst, oder nicht. 

Du musst demzufolge unbedingt lernen, die „Intimsphäre“ deines Vogels zu beachten, seine Befindlichkeiten zu erkennen und diese zu respektieren. Du willst schließlich auch nicht immer angegrapscht oder auch nur angequatscht werden. Nimm Rücksicht auf deinen Vogel. 

12. FLUCHTMÖGLICHKEITEN

Wenn Vögel nicht fliehen können, müssen sie kämpfen. Papageien & Sittiche hören oft spontan und von selbst auf zu beißen, wenn sie die Möglichkeit erhalten, zu fliehen, wenn sie sich in einer Situation unwohl fühlen. Wenn dein Vogel fliehen kann, ist er in der Lage, seinen persönlichen Komfortabstand immer aufrecht zu erhalten. 

Im Idealfall machst du einen Rückzieher, bevor der Sittich oder Papagei beißt. Aber selbst wenn du nicht in der Lage bist, früh genug zu erkennen, ob du deinen Vogel bedrängst oder nicht, ist es nicht so schlimm, wenn dein Vogel die Möglichkeit hat, dir auszuweichen. Denn wenn ein Sittich oder Papagei beißt, hat das sehr oft eine Menge mit Angst und mangelndem Vertrauen zu tun. 

13. Training hilft, wenn ein Sittich oder Papagei beißt

Bei einigen von diesen Punkten kann ich deine Stimme - und die aller anderen Halter mit Beiß- und Aggressionsproblemen - geradezu in meinem Kopf hören: „Aber ich muss doch an den Vogel ran, um seinen Käfig zu putzen, oder, um seine Näpfe zu wechseln, oder, um ihm seine Medikamente zu geben, oder, um ihn in die Transportbox zu stecken zum Inhalieren oder Tierarztbesuch, usw." und das natürlich unabhängig davon, ob der Sittich oder Papagei beißt.“ 

Außerdem willst du sicherlich mit deinen Vögeln harmonisch und vertrauensvoll zusammen leben als Freunde und nicht als Gefängniswärter mit seinen Gefangenen. Das heißt, du musst also Vertrauen auf- und Angst abbauen, damit dein Vogel dich nicht aus vermeintlicher Notwehr heraus beißen muss. Zusätzlich, muss dein Vogel aggressive Verhaltensweisen, die sich bereits gefestigt haben, wieder entlernen. Zu guter Letzt musst du funktionierende Kommunikationswege aufbauen, damit dein Vogel sich dir gegenüber verständlich machen kann und nicht beißen muss, damit du ihm zuhörst.

Mit Training kannst du deinem Vogel viel beibringen

All das schaffst du am schnellsten und einfachsten durch Training. Es gibt ganz gezielte Übungen, die du trainieren kannst, wie zum Beispiel „Auf deinen Platz“ und „Bleib“ damit du die Näpfe wechseln kannst, ohne dass er vorwärts springt und dich beißt. 

Darüberhinaus kannst du durch Training aber auch ganz gezielt Vertrauen aufbauen. Du kannst deinen Vogel an gruselige Gegenstände oder Personen gewöhnen. Du kannst ihm beibringen, sich anfassen zu lassen. Er kann zahm werden, seine Angst vor dir verlieren. Das sind ja alles Dinge, die wenn sie nicht da sind, dazu führen, dass er beißt; geradezu beißen muss. 

Zusätzlich kannst du ihm natürlich auch diverse Grundkommandos beibringen, wie „In den Käfig“ oder „Auf die Hand“ - ohne zu beißen natürlich. Es hängt selbstverständlich von dir und deiner individuellen Situation ab, was du im einzelnen mit ihm üben möchtest. Aber mit Training kannst du für alles eine Lösung finden. 

Wenn du dein Beißen- und Aggressionsproblem also nachhaltig lösen möchtest, solltest du mit Training lieber früher als später anfangen.

14. NIEMALS AUFHÖREN ZU LIEBEN

Mein End-Plädoyer: Dein Papagei oder Sittich ist mindestens so verwirrt, verletzt, verloren und unglücklich wie du. Er ist nicht dein Feind, sondern das Opfer seiner Umstände und hat dein Mitleid, nicht deinen Ärger oder gar Hass verdient! Außerdem hat er nicht die Möglichkeit, seine Umstände zu verändern - du aber schon! Also, sieh‘ zu, dass du die Dinge änderst, die geändert werden müssen.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Glück & Erfolg bei deiner Problemlösung! Und wenn dein Sittich oder Papagei beißt und du Hilfe brauchst, kannst du über www.dievogelschule.com/kontakt ein kostenloses Erstgespräch buchen, um mal mit mir darüber zu sprechen. Ich freue mich, von dir zu hören.

An dieser Stelle möchte ich auch noch mal an mein GRATIS-Beißen & Aggressionen-Webinar am 31. Januar erinnern, für das du dich unter beissen.dvs.ac anmelden kannst.

Wenn du bis jetzt zugehört hast, dann gehe ich davon aus, dass dir dieser Podcast gefallen hat. Wenn dem so ist, würde ich mich total über eine 5-Sterne Bewertung freuen, denn das hilft anderen, diesen Podcast zu finden. Der direkte Link zur Bewertung ist: sterne.dievogelschule.com

Das war „Besser Leben mit Papageien & Sittichen“ ein Podcast von und mit Ann Castro, www.dievogelschule.com

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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