Ann Castro – Die Vogelschule
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Kira und Bruno: Handaufzucht und Naturbrut

In ihrem Artikel erzählt Ute Becker, von ihren Kakadus Kira und Bruno. Kira ist eine Handaufzucht und Bruno ist eine Naturbrut. Interessant ist deshalb auch der Vergleich im Verhalten der beiden Vögel.


Von Ute Becker

Schon immer hatte ich mit dem Gedanken geliebäugelt, mir einen Kakadu anzuschaffen. Im Mai 2003 rief mich mein Sohn an und erzählte mir, er hätte in der Zeitung eine Anzeige gelesen: „Verkaufe Weißhaubenkakadus aus Handaufzucht“. Kurzerhand rief ich dort an und vereinbarte für den nächsten Tag einen Besichtigungstermin.

Ich sagte dem Züchter, dass ich ja gern einen Kakadu haben wollen würde, aber es hieß ja immer, man sollte nur ein Paar halten und dafür hätten wir keinen Platz. Die Antwort des Züchters lautete, das wäre gar kein Problem! Die Vögel könne man ruhig allein halten, sie wären es durch Handaufzucht so gewöhnt und kennten es nicht anders. Das war natürlich Öl auf mein Feuer.

Als uns Kira präsentiert wurde, latschte sie auf dem Tisch zu jedem von uns hin, blieb stehen, legte den Kopf auf die Seite und sagte laut und deutlich „Hallo“. Ab diesem Moment hatte sie mich eingekauft. Als ich den Preis hörte, verschlug es mir zwar die Sprache, aber das war schon fast Nebensache.

Die ersten Tage verliefen ganz prima. Kira suchte zwar verstärkt Kontakt zu meinem Sohn, war aber auch zu allen anderen Familienmitgliedern lieb. Nach einer Woche änderte sich das. Sie kam nicht mehr auf meine Hand und wenn ich versuchte sie aus ihrem Schlafkäfig herauszunehmen, um sie in die Gartenvoliere zu bringen, biss sie nach mir. Es ging teilweise so weit, das sie mich ansprang und mir ins Gesicht biss. Wenn nachmittags meine drei Männer von der Arbeit kamen, tat Kira ganz so, als ob nix wäre und benahm sich wie der liebste Vogel auf der Welt – auch mir gegenüber!

Zumeist brüllte sie wie am Spieß, wenn keiner mehr von der Familie in Sichtweite war. Am liebsten saß sie auf ihrer Stange inmitten der Familie. Konnte sie dann noch einen Zwieback zerbröseln war die Welt in Ordnung. Kira war natürlich unser Mittelpunkt. Sie beherrschte es perfekt, Aufmerksamkeit zu erzielen. Sie war und ist eine regelrechte „Katze mit Federn“. Spielen und schmusen am liebsten 20 Stunden am Tag. Zwischendurch wird ein kurzes Nickerchen eingelegt um die Batterien wieder aufzuladen. Alles was ihr verboten wurde machte natürlich doppelt so viel Spaß. Mich hatte sie z.B. dazu auserkoren mir in die Schuhe zu beißen, manchmal waren meine Füße dabei im Weg. Das tut höllisch weh! Auch ist Kira penetrant aufdringlich, vor allem dann, wenn sie nicht unsere 100%ige Aufmerksamkeit hatte.

Dann hatte mein Sohn die Idee, im Internet nach „Material“ über Kakadus zu suchen und wurde auch fündig. Dort bekamen wir dann zwar wertvolle Tipps, wurden aber auch wegen unserer gemachten Fehler angegriffen. Zum Beispiel wurden wir regelrecht verteufelt, weil wir Kira zweimal im Garten an einer Fusskette außerhalb der Voliere gehalten hatten. Wohlgemerkt: Nur wenn wir dabei waren! Wer riskiert es schon, dass sein teurer Vogel wegfliegt? Kiras Flügel wollten wir nicht beschneiden, immerhin ist sie ein Vogel. Übrigens hatten wir diese Fusskette beim Züchter!!! gekauft. Bis dahin wussten wir nicht, dass dies gefährlich sein kann. Der Züchter hat uns das nicht gesagt. Eben um solche Fehler zu vermeiden, haben wir ja Hilfe im Internet gesucht.

Unsere Kontakte, die wir über das Internet fanden, waren maßgeblich daran beteiligt, dass wir uns für Kira einen Partner angeschafft haben. Dadurch erfuhren wir, dass bei Einzelhaltung eines Kakadus dieser ab Geschlechtsreife Verhaltensstörungen bekommen kann. Dies wollten wir Kira und uns natürlich nicht antun. Ein wenig Angst hatten wir aber auch. Wird es gut gehen? Werden sich die beiden vertragen? Immerhin war Kira ein Jahr lang der absolute Mittelpunkt (und das meine ich wörtlich).

Wir haben uns nach einem Naturbrut-Partner umgesehen. Der Vogel sollte auch jünger als Kira sein. Unser Bruno ist behindert. Er hatte sich den Fuß ausgerenkt und weil dies nicht sofort behandelt wurde, ist es schief zusammengewachsen. Für die Zucht nun angeblich ungeeignet, überließ uns der Züchter den in seinen Augen minderwertigen Vogel für wenig Geld.

Obwohl eine Naturbrut, wurde Bruno sehr schnell zahm. Nach zwei Wochen leckte er mir schon Joghurt vom Finger. Nach drei Wochen ließ er sich bereits streicheln. Beide Vögel vertragen sich relativ gut, aber die große Liebe ist es (noch) nicht. Bruno beobachtet Kira sehr aufmerksam. Alles was sie so treibt, macht er dann nach.

Kira ist fürchterlich eifersüchtig. Sie muss ja nun unsere Aufmerksamkeit teilen. Ist Bruno bei mir zum Kuscheln, kommt auch sie und drängelt. Wenn Bruno mit Kira schmusen will, schreit sie wie am Spieß und tut so, als ob er sie vergewaltigen wolle. Auch lässt sie es bis heute nicht zu, dass er sie putzt. Umgekehrt ist es kein Problem.

Ich habe auch beobachtet, dass sich Kira meist nur mit Bruno beschäftigt, wenn wir nicht in unmittelbarer Nähe sind. Aber sie gibt sich immerhin mit ihm ab und sei es auch nur deshalb, weil man sich wieder einmal um das Spielzeug oder die Leckerbissen streiten muss. Der Bruno könnte ja mehr haben.

Unsere Geier jedenfalls haben uns gut im Griff. Wir fragen uns oft, wer hier wen erzieht. Und ich muss gestehen, sie setzen öfter als uns lieb ist, ihren Kopf durch. Sie entscheiden, wann wir Zeitung lesen oder fernsehen. Auch passt sich so langsam die Wohnungseinrichtung den Vögeln an. Es kommt der Tag an dem wir uns wohl noch von Sisalseil zu Sisalseil hangeln. Von den Kakadus in ihrem Reich geduldet.

Ich möchte die beiden Geier nicht mehr hergeben, aber sie sind manchmal mehr als anstrengend. Vor allem Kira. Wenn sie es mit ihrem Geschrei oder ihren Dummheiten übertreiben, könnte ich ihnen manchmal den Hals umdrehen. Wenn wir damals schon gewusst hätten, was da so genau auf uns zukommt, hätten wir uns den Kauf zweimal überlegt. Aber auf der anderen Seite: Wenn sie lieb sind und drollig, oder zärtlich miteinander umgehen ist es ein unbeschreibliches Glücksgefühl, dabei sein zu dürfen. Eines jedoch würde ich aus heutiger Sicht anders machen: Ich würde nie wieder eine Handaufzucht kaufen!

Außer das der Vogel von Anfang an zahm ist, sehe ich aus heutiger Sicht keinen anderen Vorteil von einer Handaufzucht, hingegen aber viele Nachteile. Unsere Naturbrut, Bruno, ist genauso zahm, wie Kira, aber ohne die unangenehmen Begleiterscheinungen. Kira hat absolut keinen Respekt vor dem Menschen. Bruno kann man z.B. etwas aus dem Schnabel nehmen und er lässt es zu. Kira beißt zu wenn man das versucht. Außerdem ist Kira total auf den Menschen fixiert, was äußerst anstrengend ist. Bruno hingegen kommt auch gern schmusen, ist aber bei weitem nicht so aufdringlich, möchte sich dabei aber trotzdem gern mit Kira beschäftigen, was sie aber leider nicht oft zulässt.

Das Zähmen von Bruno ging so schnell (ca. 2 Wochen), dass dies überhaupt kein Grund ist, eine Handaufzucht zu kaufen. Ich denke, nur die Züchter profitieren davon, nämlich vom Preis.

Darum: Handaufzucht nein danke!

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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