Ann Castro – Die Vogelschule
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Das Recht auf Arbeit

Unseren gefiederten Mitbewohnern tut Langeweile genauso wenig gut, wie uns Menschen. Wer nichts zu tun hat, findet leider oft Betätigungsmöglichkeiten, die unerwünscht und schädlich für sich selbst und seine Umgebung sind. Leider leben viele Papageien in einem Umfeld der ständigen Langeweile. Oft haben sie noch nicht mal einen Partner.

Sie sitzen in einem Käfig mit ein paar Spielzeugen, die nur gelegentlich ausgewechselt werden. Höhepunkt des Tages ist die Fütterung, die leider viel zu wenig Zeit in Anspruch nimmt. Ein düsteres Bild. So soll keines unserer Tiere leben müssen. Wie können wir also unseren Papageien ein erfüllteres Leben bieten?

Das Leben in der freien Wildbahn

In der Natur haben Papageien viel zu tun. Wie genau sie sich beschäftigen ist zwar von Art zu Art und in verschiedenen Lebensräumen unterschiedlich, aber gut beschäftigt sind sie allemal. Die Papageien wachen morgens auf und putzen sich erst einmal. Dann fliegen die Tiere, oft über größere Distanzen, zur Futtersuche.

Dabei ist Futtersuche ein dehnbarer Begriff. Es werden beileibe nicht nur die von uns als Nahrung anerkannten Früchte, deren Samen und Sämereien gefressen. An Lehmlecken werden Erde und kleine Steinchen aufgenommen. In den Futterbäumen werden Blätter, Zweige und Rinde mit Vergnügen geschreddert und vermutlich zum Teil verspeist. Zusätzlich werden auch Insekten, Larven, Schnecken und anderes Kleingetier gesucht und verspeist.

Dann wird wieder ausgiebig geputzt und Mittagsruhe gehalten. Entgegen früherer Meinungen, stellen Wissenschaftler jetzt bei immer mehr Tierarten fest, dass diese auch spielen. Dies trifft auch auf Papageien zu. Später am Tag wird noch einmal Futter gesucht, bevor die Tiere wieder zu ihren Schlafbäumen zurück kehren.

Auch das Brutgeschäft nimmt erheblich Zeit in Anspruch. Eine Bruthöhle muss gefunden und “ausgebaut” werden. Balz, Kopulation und Eiablage werden gefolgt vom Brüten selbst und der aufwändigen Jungenaufzucht. Auch nach dem Flügge werden sind die Elterntiere noch eine ganze Weile damit beschäftigt, ihren Jungen alles beizubringen, was sie in der freien Wildbahn zum Überleben wissen müssen.

Das Leben in Gefangenschaft

Auch wenn wir kaum Lebensbedingungen wie im Urwald für unsere Papageien nachbilden können, so gibt es doch meist einiges, was wir verändern können, um ihr Leben interessanter und naturnaher zu gestalten.

Haltungsbedingungen

Zuallererst benötigt jeder Papagei natürlich einen artgleichen und gegengeschlechtlichen Partner. Besser noch wäre ein Minischwarm von mindestens vier Tieren. Dies macht das Leben für unsere Tiere auf jeden Fall interessanter und vielseitiger.

Auch wenn wir keine kilometerlangen Flugstrecken anbieten können, so können die meisten von uns mit etwas gutem Willen und Überlegung mehr Platz bzw. Freiflugmöglichkeiten anbieten als zum aktuellen Zeitpunkt gegeben. Kreativität ist gefragt. Der Freiflug muss nicht immer in der Wohnung sein. Oft gibt es Möglichkeiten auf Dachböden, in Turn- und Lagerhallen, wenn man nachfragt. Auch sollte überprüft werden, ob die Möglichkeit besteht, ein Vogelzimmer einzurichten. Jedes bisschen extra Platz hilft unseren Vögeln ein erfüllteres Leben zu führen.

Futtersuche

Die Fütterung unserer Tiere kann wesentlich interessanter gestaltet werden als sie vor einen gefüllten Napf zu setzen. Ideen gibt es so viele, z.B:

  • Futternäpfe in Papier verpacken, sodass die Tiere das Papier erst zerfetzen müssen, um an das Futter zu gelangen
  • Futter an immer anderen Stellen anbieten.
  • Früchte ganz lassen, sodass sie zerzuzelt werden können. Dies gilt insbesondere für Früchte mit “interessantem” Inhalt, wie Granatäpfel.
  • Verpacken von Leckerlis. Nüsschen können z.B. in Papier wie ein Bonbon eingedreht werden oder in kleinen Schächtelchen versteckt werden.
  • Stöbertabletts können von Euch ganz einfach hergestellt werden, indem Ihr eine Auflauf- oder Bräterschale mit Leckli, Fußspielzeugen, zerknüllten Zeitungen, Popcorn, großen und kleinen Kieselsteinen, Korken usw. befüllt. Wer den Schwierigkeitsgrad noch erhöhen möchte, wickelt das ganze Stöbertablet noch in Zeitungen oder Packpapier ein, durch das die Tiere sich ihren Weg erst bahnen müssen.
  • Vergesst nicht, das Futter ständig zu variieren. Auch das Durchsortieren von Futter auf besondere Leckerbissen, kann unsere gefiederten Mitbewohner beschäftigen. Außerdem ist es einfach entsetzlich langweilig jeden Tag das Gleiche zu essen zu bekommen.

Baden und Duschen

Die meisten unserer Papageien kommen aus tropischen Gebieten, in denen es häufigst regnet. Duschen und Baden sowie das anschließende Trocknen mit Gefiederpflege nehmen viel Zeit und Energie in Anspruch. Deshalb sollten Papageien nach Möglichkeit täglich duschen oder baden. Es ist nur nicht immer ganz einfach, sie dazu zu bekommen.

  • Am einfachsten ist es, die Tiere morgens mit in die Dusche zu nehmen. Nachteile davon sind der Zeitaufwand sowie die Unmöglichkeit, dann noch wirklich heiß zu Duschen. Euren Tieren zuliebe sollte das Duschwasser, wenn sie mitduschen, nämlich nur Körpertemperatur haben.
  • Die kleineren Papageienarten baden besonders gerne zwischen nassen Salatblättern und ähnlichem. Vermutlich erinnert sie das an den Tau in frühmorgendlichen Wiesen.
  • Viele Papageien werden durch einen laufenden Staubsauger oder Föhn zum Baden animiert. Es ist also immer einen Versuch wert, wenn Eure gefiederten Mitbewohner eher wasserscheu erscheinen.
  • Unterschiedliche Vögel haben unterschiedliche Vorlieben. Probiert aus, ob Eure Tiere lieber Baden oder duschen, ob sie eher kaltes oder warmes Wasser mögen. So duschen meine Aras z.B. am liebsten schön warm, während meine Grauen am liebsten in eiskaltem Wasser baden.
  • Nicht vergessen: Im Urwald wird auch nicht gefragt, ob es allen Beteiligten Recht ist, dass es regnet. Notfalls ist es also völlig in Ordnung zu Zwangsduschen zu greifen. Oftmals ist es dabei sogar so, dass die Tiere auf einmal anfangen mitzumachen, wenn sie erst eine bestimmte Grundnässe erreicht haben. Ihr solltet allerdings stets darauf achten, dass die Zeit zwischen Dusche und Nachtruhe ausreicht, dass die Tiere wieder richtig trocken werden.

Spielzeug

Außer der Futtersuche gibt es natürlich noch jede Menge anderes Spielzeug, das dabei helfen kann, Eure Vögel beschäftigt zu halten. Ganz einfach und naturnah sind frische Äste. Papageien lieben es i.d.R., die Blätter und Zweiglein abzuknipsen, die Rinde abzuschälen und alles abzunagen, was dann noch übersteht. Die Äste sollten natürlich ungespritzt sein und nicht neben Straßen gewachsen sein, wo sich Giftstoffe auf sie hätten ablagern können.

Abgesehen von Ästen gibt es natürlich noch jede Menge Spielzeug zum Direktkaufen oder Selberbasteln, was den unterschiedlichen Interessen Eurer Papageien entgegen kommt. Es gibt Spielzeug für Mechaniker, die gerne Dinge auseinander nehmen, Spielzeug für Holzhacker, die nur zerstören wollen und Spielzeug-Zuzeler, die gerne alles schreddern, was ihnen unter den Schnabel kommt. Beobachtet einfach Eure Tiere beim spielen und probiert verschiedenes aus.

Wichtig ist auch hier wieder die Abwechslung: Ein neues Spielzeug pro Monat beschäftigt keinen Papagei. Ihr solltet Euch eine Spielzeugkiste anlegen mit genügend Spielsachen, dass ihr sie mehrere Male in der Woche austauschen könnt. Gerne angenommen werden übrigens auch Spielzeugeimer, aus denen Eure Papageien sich selbst aussuchen können, womit sie sich gerne beschäftigen möchten.

Brutgeschäft

Das Brutgeschäft hält Papageien in freier Wildbahn enorm beschäftigt. Da es jedoch in Deutschland ohnehin schon jede Menge Abgabetiere gibt, für die dringend ein gutes Zuhause gesucht wird, würde ich nicht unbedingt empfehlen, die Tiere Junge nachziehen zu lassen. Aber einige Elemente des Brutgeschäftes kann man zu Beschäftigung dennoch verwenden.

Selbstverständlich benötigt das Tier erst einmal einen artgleichen und gegengeschlechtlichen Partner. Allein diese Maßnahme, wird ihm mehr Unterhaltung gewähren als einem Einzelvogel vergönnt ist. Die Tiere werden gemeinsam mehr unternehmen, sich gegenseitig das Gefieder pflegen und auch mutiger werden, was die Beschäftigung der Tiere einfacher macht.

Ich biete – je nach Größe der Tiere – gerne aufgeblasene Papiertüten, Kartons verschiedener Größen und sogar Holzkistchen an. An diesen können die Tiere sich “architektonisch” austoben, so wie sie es mit einer Bruthöhle machen würden. Aber, nach einem bis spätestens zwei Tagen ist die vermeintliche Bruthöhle zerstört. Mit einer frischen “Bruthöhle” sind die Tiere dann wieder beschäftigt. So bauen und bauen sie, sind gut beschäftigt, kommen aber nicht zur Eiablage. Diese Methode ist übrigens auch für Frustrupfer geeignet, die sich an die Federn gehen, wenn sie ihren Bruttrieb nicht ein Stück weit ausleben können.

Clickertraining

Natürlich ist auch Clickertraining eine hervorragende Möglichkeit, Eure Papageien zu beschäftigen. Sie fordert außerdem die geistige Leistungsfähigkeit der Tiere, wodurch es ihnen besonders Spaß macht. Außer als reinem Selbstzweck könnt Ihr das Clickertraining im Übrigen auch dazu verwenden, scheueren Tieren das Spielen beizubringen und sie unternehmenslustiger zu machen.

Ich hoffe, dass dieser Überblick Euch dabei hilft, Eure Papageien beschäftigt zu halten, sodass sie viel Spaß am Leben haben.

Viele weitere Anregungen gibt es bei uns im Forum. Natürlich freuen wir uns auch darüber, wenn Ihr uns dort eure besten Beschäftigungsideen vorstellt.

LG,
Eure Ann.

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Papageienexpertin Ann Castro mit dunkelrotem Ara

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