Ann Castro – Die Vogelschule für Papageien & Sittiche
weitersagen ...

Die Vergesellschaftung und Verpaarung von Papageien & Sittichen – Teil 3

Verpaarung von Papageien - Bild mit Agaporniden

Unser Monatsthema ist die Vergesellschaftung & Verpaarung von Papageien & Sittichen. Im heutigen dritten Teil geht es um die tatsächliche Durchführung der Vergesellschaftung oder Verpaarung von Papageien & Sittichen - also die Zusammenführung der Vögel. Diese Worte - also Verpaarung und Vergesellschaftung - werden von jedem ein wenig anders verwendet. Deshalb definiere ich erst einmal kurz wie ich sie verwende, um Missverständnisse zu vermeiden.

Du kannst dir diesen Text auch als Podcast anhören:

Wenn dir mein Podcast gefallen hat würde ich mich riesig über eine ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️-Rezension freuen. 💖 Hier geht's zur Rezension:


In dieser Folge

  • Wie du eine stressfreie Verpaarung richtig durchführst
  • Warum Trenngitter lebensgefährlich sind
  • Wie hilft Clickertraining bei der Verpaarung?
  • Die Notlösung bei gefährlichen Aggressionen

Mehr von Ann

Verpaarung von Papageien zur Paarbeziehung

Als Verpaarung bezeichne ich die Zusammenführung des Neuankömmlings mit seinem zukünftigen Partner, deinem Altvogel. Verpaarung dient dem Zweck einer Paarbeziehung, aber nicht der Zucht. Das ist was Anderes. Weitere Papageien und Sittiche zu produzieren, während wir händeringend nach guten Plätzen für Abgabetiere suchen, ist widersinnig und nicht wirklich hilfreich. Bei der Verpaarung von Papageien und Sittichen wollen wir schlichtweg erreichen, dass zwei Tiere glücklich miteinander werden.

Vergesellschaftung dient der Schwarm-Integration

Eine Vergesellschaftung hingegen, bezieht sich auf die Integration des Neuankömmlings in den bestehenden Schwarm. Das ist relevant, wenn du bereits mehr als einen Vogel daheim hast. Je nachdem, wie du also in deiner Vogelhaltung aufgestellt bist, wirst du bei der Übernahme eines neuen Vogels:

  • eine Verpaarung durchführen mit einem bereits vorhandenen Partnertier
  • eine Vergesellschaftung durchführen. Wenn ein Schwarm da ist aber noch kein Partnertier, was ja auch vorkommen kann.  Die Verpaarung von Papageien oder Sittichen steht dann später an, wenn du ein passendes Partnertier gefunden hast. Aber erst einmal muss sich der Neuankömmling in den Schwarm integrieren.
  • wenn Schwarm UND Partnertier vorhanden sind, wirst du beides, also Verpaarung UND Vergesellschaftung, durchführen müssen.

Ziel: eine stressfreie Verpaarung von Papageien & Sittichen

Das Ganze soll natürlich mit so wenig Stress wie irgend möglich und ohne größere Probleme, wie Aggressionen, durchgeführt werden. Da sind wir uns glaube ich, alle einig, oder? Fangen wir also mit dem Thema Verpaarung von Papageien & Sittichen an. Wie machst du das am Besten? 

Die Antwort ist - wie eigentlich immer - in Babyschritten. Das heißt, wenn du dein neues Schwarmmitglied nach Hause bringst, wirfst du ihn nicht einfach in die Gruppe oder mit dem vorgesehenen Partner zusammen, sondern du gehst die Sache vorsichtig an.

Käfige erschweren die Verpaarung von Papageien

Ich sehe immer wieder Empfehlungen, die beiden Tiere in zwei Käfigen nebeneinander zu stellen. Diese Vorgehensweise empfehle ich definitiv nicht, weil sie so irre oft schief geht. Ja, es kann gut gehen. Aber häufig geht diese Vorgehensweise auch brutal daneben. Das ist dann so als ob die beiden Vögel sich durch die Käfiggitter hindurch anpöbeln. 

Wenn man sie dann endlich zusammen lässt, ist die Stimmung schon so aufgeheizt, dass sie direkt aufeinander losgehen. Und das ist natürlich für eine harmonische & stressfreie Verpaarung von Papageien & Sittichen nicht gerade förderlich. Schlimmer noch, sie erschwert das Ganze.

Wenn die beiden Vögel nämlich schon einmal auf einander losgegangen sind fängst du anschließend bei deiner Verpaarung nicht mehr bei Null sondern im Minus-Bereich an. Einer oder beide Vögel haben Angst voreinander. Einer oder beide haben erfahren, dass Angriff total lohnend sein kann. Glückshormone werden freigesetzt. Aufgestaute negative Energie wird entladen. Es fühlt sich gut an. Es macht Spaß. Viele Vögel lieben Drama. Oder der Aggressor hat Aufmerksamkeit bekommt. Was auch immer um das aggressive Verhalten herum geschehen ist, es wurde ordentlich verstärkt. Und wird deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder gezeigt werden. 

Damit machst du dir die Verpaarung von Papageien und Sittichen also unnötig schwer.

Trenngitter sind lebensgefährlich

Zum Thema Käfige noch ein Wort der Warnung. Abgesehen von der Pöbelproblematik, über die ich gerade geredet habe, sind einfache Trenngitter jeder Art wirklich gefährlich. Der eine Vogel hält sich mit seinen Füßen am Gitter fest. Das gibt dem anderen Vogel die Möglichkeit sich in dessen Fuß zu verbeißen. 

Wegen des Gitters ist es für das Opfer wesentlich schwieriger unter Umständen auch unmöglich, sich dagegen zu wehren oder zu fliehen. Das verursacht wirklich ekelhaften Verletzungen. Verletzungen, die zu dauerhaften Behinderungen und sogar zum Tod führen, wenn der Vogel zum Beispiel an seiner Verletzung verblutet. Ich habe dazu in meinem Erste Hilfe Buch Informationen und Bilder, wenn du dich darüber genauer informieren möchtest. 

Aufgrund dieser enormen Verletzungsgefahr solltest du weder bei der Verpaarung von Papageien und Sittichen noch in deiner normalen Haltung einfache Trenngitter jeglicher Art verwenden.

Ich betone jeglicher Art, weil ein normaler Käfig natürlich auch eine Art Trenngitter darstellt. Das betrifft also Situationen, in denen ein Vogel im Käfig ist und einer außerhalb. Ich denke da zum Beispiel an Fress- oder Schlafkäfige in Vogelzimmern. Supersaugefährlich.

Das kann lange Zeit gut gehen. Aber irgendwann kommst du nach Hause und findest einen deiner Vögel mit verletzter Zehe, ohne Zehe, ohne Fuß oder sogar tot vor. Wie so oft bei selbstverschuldeten Problemen redet kaum einer darüber. Deswegen meint man vielleicht, dass es kein Thema ist. Aber es passiert wirklich häufig. Bitte vermeide dieses Risiko also bitte.

Ideal: die kontrollierte Verpaarung von Papageien & Sittichen

Zur Verpaarung. Den geringsten Stress und den schnellsten, ungefährlichsten, wahrscheinlichsten Erfolg bei einer Verpaarung von Papageien und Sittichen erreichst du, wenn du sie so kontrolliert wie möglich durchführst. Das heißt, zuerst einmal befinden sich die Vögel in getrennten Räumen. Gegenseitige Besuche finden entweder auf neutralem Boden oder im Zimmer des Neuankömmlings statt. 

Im Wesentlichen sind diese Besuche Annäherungsttraining wie in meinem Beziehung & Training-Kurs beschrieben. Dabei gibt es zwei Komponenten: Die Distanz und die Dauer. Das heißt, du testest den Abstand aus, bei dem beide Tiere völlig entspannt sind. Wenn du mit deinen Tieren Clickertraining machst, kannst du das clicken und beide belohnen. Während du an der Verringerung der Distanz arbeitest, muss die Dauer so gering wie möglich sein. 

Beispiel: Du hast ausgetestet, dass beide Tiere bei drei Meter Entfernung völlig entspannt sind. Die Übung ist dann wie folgt. Du bringst einen der Vögel auf drei Meter Entfernung zu dem anderen Vogel, klickst das, vergrößerst sofort wieder den Abstand und belohnst beide. Dabei hilft es natürlich wenn zumindest einer der Vögel zahm ist und ein bisschen Grundgehorsam hat.

Wenn nicht, kannst du den Vogel, mit dem du die Annäherung machst auf ein Stöckchen setzen, einen Rollwagen oder sogar in einem Transportkäfig annähern. Achte aber wirklich darauf, dass beide Vögel zu jedem Zeitpunkt völlig entspannt sind.

Abstand zentimeterweise verringern

Wenn drei Meter gut funktionieren, kannst du den Abstand um einen Zentimeter verringern. Gut funktionieren bedeutet, dass mindestens drei Mal hintereinander beide Vögel bei dem Abstand ganz entspannt waren. Einschäumen, ausspülen, wiederholen. Diese Besuche und die Übungen hältst du superkurz. Maximal zwei Minuten. Die Vögel sollten auf keinen Fall überfordert werden.

So arbeitest du dich nach und nach vor, bis die Vögel sogar in unmittelbarer Nähe ganz entspannt sind. Wenn du das geschafft hast, arbeitest du daran, die Dauer zu erhöhen. Also statt sofort click und weg, verzögerst du den Click um den Bruchteil einer Sekunde. Dann um zwei Bruchteile einer Sekunde usw. Zum Schluss hast du dann die Situation geschaffen, in der beide Vögel auch längere Zeit friedlich miteinander verbringen können. Und das ist die halbe Miete.
Wenn das gut klappt, kannst du das in anderen Räumen üben. Sie - unter Aufsicht - auch länger zusammen lassen. Achte aber immer darauf, dass du die Übung beendest, bevor es zu Streit kommt. Also lieber zu früh statt zu spät aufhören.

Wenn die Tiere immer und überall friedlich miteinander umgehen, kannst du sie für kurze Zeit in ihrem neuen Zuhause - Voliere oder Vogelzimmer - zusammensetzen. Auch hier erhöhst du die Dauer stückchenweise unter Aufsicht.

Die Verpaarung von Papageien ist nicht schwer

Ich weiß das hört sich jetzt vielleicht sehr mühsam und kompliziert an. Ist es aber gar nicht. Das wirkt jetzt so weil ich dir jedes Detail ganz genau erklärt habe, damit du es umsetzen kannst. In der Realität, kann die Verpaarung von Papageien und Sittichen ganz schnell gehen: innerhalb einer halben Stunde passieren. 

Wenn du Tiere aus langjähriger Einzelhaltung hast, die Handaufzuchten sind, die noch nie einen anderen Papagei gesehen haben, oder die schon schlechte Erfahrung gemacht haben, kann es allerdings auch Monate dauern. Da musst du dann Geduld haben und dran bleiben.

Eine Verpaarung durchzuführen ist nicht schwer. Wenn sie scheitert, dann liegt es eigentlich immer daran, dass der Halter nicht genug Geduld aufgebracht hat, zu schnell zu viel wollte, aber dann auch überreagiert hat. Also zu vorsichtig war und dadurch unabsichtlich natürlich jegliches aggressive Verhalten verstärkt hat. Ungeduld und Helikoptermama-Verhalten ist eine wirklich ungünstige Kombination für die Verpaarung von Papageien und Sittichen. 

Vergesellschaftung: Wenn du eine Gruppe von Vögeln hast, dann führst du das Prozedere der Verpaarung mit allen Beteiligten nacheinander durch. Dadurch kennen sich die Vögel bereits und kommen miteinander klar, bevor du sie zusammensetzt.

Fragen dazu:

Karola schrieb: „Mich würde gerade das Thema Verpaaren von „älteren“ (10 Jahre) Papageien und wann schreite ich ein und was klären die Vögel unter sich interessieren.“
Zehn  Jahre ist kein Alter für Papageien. Die Durchführung ist genau gleich wie oben beschrieben. Das ist völlig altersunabhängig. 

Wenn du es ganz genauso durchführst, stellt sich deine zweite Frage auch gar nicht, wann du eingreifen musst. Denn dann kommt es gar nicht erst zu Aggressionen.

Falls wirklich mal etwas schief gehen sollte und deine Zusammenführung sich verselbstständigt hat, weil du abgelenkt warst oder was auch immer, ist das Wichtigste „cool“ zu bleiben. Die meisten Halter, greifen eher zu früh als zu spät ein. Dadurch verstärken sie dann das aggressive Verhalten, was kontraproduktiv ist und die gesamte Verpaarung von Papageien & Sittichen erschwert. 

Die Notlösung bei Aggressionen

Also falls es zu Aggressionen kommen sollte, musst du es ganz genau beobachten. Tu dabei so als ob du die Tiere gar nicht beachtest. Vermeide es unbedingt, die Aggressionen durch dein Verhalten auch noch zu belohnen. Also erst einmal cool bleiben. Es sieht oft dramatischer aus, als es ist. 

Ein Hieb ins Federkleid ist auch nicht weiter schlimm. Dramatisch wird es, wenn die Tiere sich verknäueln. Das ist dann so, dass der eine Vogel, den anderen mit dem Fuß festhält, während er ihn traktiert. Der unterlegene Vogel hat dann keine Chance zu fliehen. Das kann richtig gefährlich werde. 

In dem Fall musst du unbedingt sofort einschreiten. Mein Mittel der Wahl ist, ein Glas Wasser über die Tiere zu kippen. Das bringt mehr als einzugreifen, selbst gebissen zu werden und die Stimmung mit deinem Drama noch zusätzlich anzuheizen. Ein bisschen Wasser über die Tiere gekippt, erschreckt sie in der Regel genug, dass sie von einander ablassen und du sie gefahrlos trennen kannst.

Wasser ist keine Erziehungsmaßnahme

Ich möchte auch unbedingt betonen, dass Wasser keine Erziehungsmaßnahme ist oder sogar Standardprogramm. Das machst du bitte wirklich nur dann, wenn ernsthaft die Gefahr besteht, dass einer der Vögel zu schaden kommt.
ABER in aller Deutlichkeit, wenn du eine Verpaarung richtig durchführst, dann sollte so eine Situation niemals entstehen.

Du arbeitest bei einer richtig durchgeführten Verpaarung immer im entspannten positiven Bereich mit den Tieren, sodass keiner überfordert wird und die Stimmung gar nicht erst kippen kann. Denk dran: Immer den Komfortabstand einhalten und in kleinsten ein Zentimerter Babyschritten verringern, bei ganz kurzer Dauer. Erst im zweiten Schritt, wenn die beiden Vögel mit der gegenseitigen Nähe gut klar kommen, arbeitest du daran, die Dauer zu erhöhen. 

Clickertraining hilft bei der Verpaarung von Papageien & Sittichen 

Lisa schrieb: Wie kann Interesse zwischen vergesellschafteten Vögeln geweckt werden? Von der Ignoranz zur direkten Auseinandersetzung (im positiven Sinne)? Dass ältere Papageien wieder etwas miteinander anfangen können.

Ja. Das ist gar nicht mal so schwer. Schon hundert Mal gemacht. Das schaffst du, indem du jegliches positives Verhalten zueinander verstärkst. Das kannst du opportunistisch machen. Aber, du kannst auch durch Training diese gegenseitige Annäherung ganz gezielt üben und ausbauen. Darüberhinaus kann die Freundschaft auch durch gemeinsame Tätigkeiten aufgebaut werden.
Dann hatte ich  noch eine Frage, ob man die Tiere zur Verpaarung nicht besser in eine Verpaarungsstation gibt. Ganz klare Antwort dazu aus gesundheitlichen Erwägungen ist „nein“. Das hatte ich in Teil ein schon ausführlich erklärt. 

Aber auch beziehungstechnisch macht es keinen Sinn. Eine Verpaarung verläuft am einfachsten, wenn die Tiere sich wohl und entspannt fühlen. Wenn du also einen bislang einzeln gehaltenen Vogel in so eine Verpaarungsgruppe gibst, dann ist er sicher alles Mögliche. Aber entspannt sicherlich nicht. 

Die Tiere einfach sich selbst zu überlassen, dass kriegst du Zuhause auch hin, aber ohne die gesundheitlichen Gefahren. Und wie du jetzt weißt, halte ich das ohnehin nicht für die beste Vorgehensweise. 

Der Halter kann einen positiven, aktiven Beitrag zur Verpaarung von Papageien & Sittichen leisten

Ein andere Tipp den ich öfters höre ist, dass der Halter sich völlig zurücknehmen soll. Auch das kann ich aus der Praxis überhaupt nicht bestätigen. Wenn dein Vogel sehr auf dich bezogen ist, musst du dich nicht groß zurücknehmen. Ich weiß, dass das immer wieder in Foren, Internetgruppen, Papageienstammtischen usw. gesagt wird. 

In der Praxis habe ich es hingegen unzählige Male erlebt, sowohl ich persönlich als auch meine Kunden, dass neu verpaarte Vögel sich auf dem Halter sitzend zum ersten Mal zum Beispiel gegenseitig gefüttert haben. Einfach weil sie sich dort sicher und entspannt fühlten.

Etwas anders ist es, wenn die Tiere Angst vor dem Menschen haben. Dann musst du dich natürlich zurücknehmen. Es geht darum ein Umfeld für die Verpaarung von Papageien & Sittichen zu schaffen, in dem die Tiere sich wohl und sicher fühlen. Und auch die Durchführung muss so gestaltet sein, dass sie immer im positiven Bereich verläuft.

Lerne viel, hab' Spaß und genieße dein Wochenende mit deinen Gefiederten. 😉❤

Ann "stressfrei" bitte! Castro. 😀❤️

>