Ann Castro – Besser Leben mit Papageien & Sittichen
weitersagen ...

Was kannst du tun, wenn dein Sittich oder Papagei beißt?

Sittich beißt - Wellensittich mit Tigerkopf

(Beißen & Aggressionen Teil 1) Wenn dein Papagei oder Sittich beißt, ist das leider nichts Ungewöhnliches: Die meisten Papageien- & Sittichhalter hatten damit schon einmal zu tun oder werden im Laufe ihres Zusammenlebens mit ihren Vögeln irgendwann einmal damit konfrontiert. Beißen & Aggressionen sind einer der häufigsten Gründe, warum Papageien & Sittiche abgegeben werden. Das ist schade, denn es gibt Einiges, das du erfolgreich unternehmen kannst, damit du und dein Vogel harmonisch miteinander leben können.

Du kannst dir diesen Text auch als Podcast anhören:

Wenn dir mein Podcast gefallen hat würde ich mich riesig über eine ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️-Rezension freuen. 💖 Hier geht's zur Rezension:


In dieser Folge

  • Glückliche Vögel beißen nicht
  • Papageien & Sittiche beißen häufig aus Angst
  • Wenn Beißen sich lohnt
  • Beißen ist Kommunikation

Links

Wenn ein Papagei oder Sittich beißt, ist das nichts Ungewöhnliches

Beißen & Aggressionen: Die meisten Papageien- & Sittichhalter hatten damit schon einmal zu tun oder werden im Laufe ihres Zusammenlebens mit ihren Vögeln irgendwann einmal damit konfrontiert werden. Gerade Beißen & Aggressionen - und Schreien - aber um Schreien geht‘s heute nicht - sind häufig der Grund, warum Vögel abgegeben werden oder warum mit Sittich- bzw. Papageientraining überhaupt begonnen wird. Aber auch um Training geht‘s heute nicht.

Verhalten entsteht nicht in einem Vakuum

Wenn dein Papagei oder Sittich beißt, solltest du natürlich mit gezieltem Training arbeiten, aber es gibt auch etliche andere Dinge, die du berücksichtigen solltest. Zum Einen, damit du das Problem nicht an einem Ende förderst, während du am anderen Ende intensiv an der Lösung arbeitest. Zum Anderen, um deine Trainingsmaßnahmen zu unterstützen. Denn Verhalten entsteht nicht in einem Vakuum, sondern es gibt ganz viele Puzzle-Stücke, die da mit hineinspielen. 

Und darum geht es heute und in den nächsten paar Podcasts, weil man dieses Riesenthema unmöglich in nur einem Podcast abhandeln kann. Und deshalb gibt‘s auch demnächst ein Gratis-Webinar zum Thema Beißen und Aggressionen und zwar am 31. Januar um 19:00 Dazu möchte ich dich jetzt und hier ganz offiziell einladen. Informationen und kostenlose Anmeldung unter: beissen.dvs.ac 

Beißen ist schlimm für Vogel und Halter

Wenn ein Papagei oder Sittich beißt, ist das nicht nur unschön und schmerzhaft für den Halter, es ist auch furchtbar für das Tier. Denn die Lebensumstände eines beißenden Vogels verschlechtern sich oft massiv:

Wenn ein Papagei oder Sittich beißt, verschlechtert sich seine Lebensqualität

Aggressive Papageien und Sittiche werden aus Angst seltener - oft auch gar nicht mehr - zum Freiflug aus dem Käfig gelassen. Das führt natürlich zu einer extrem schlechten Lebensqualität und verschlimmert das Problem auch noch, da der Vogel weniger ausgelastet ist. Langeweile, soziale Defizite und überschüssige Energie tragen erheblich zu Problemverhalten - also auch zu Beißen und Aggressionen bei.

Die Abwehr eines angreifenden Vogels kann unabsichtlich zu schweren Unfällen, Verletzungen und sogar zum Tod des Tieres führen. Der Vogel wird weggeschleudert oder sogar weggeschlagen, die Hand, an welcher der Vogel hängt, wird mit einem Ruck weggezogen. Solche unüberlegten Reaktionen können zu Unfällen, schweren Verletzungen und sogar zum Tod des Tieres führen zum Beispiel wenn der Vogel wortwörtlich an die Wand geschleudert wird. Auf jeden Fall wird durch solches Verhalten immer auch das Vertrauen des Vogels in seinen Halter weiter geschädigt, was dann Beißen & Aggressionen  zusätzlich begünstigt.

Die Beziehung wird zerrüttet

Umgekehrt wird natürlich auch die Beziehung des Halters zum Vogel zerrüttet. Das hat leider oft zur Folge, dass das Tier in seinen sozialen, körperlichen und auch gesundheitlichen Bedürfnissen vernachlässigt wird. Der Käfig wird vielleicht nicht mehr so oft geputzt. Medikamente werden nicht mehr gegeben, Behandlungen nicht durchgeführt. Generell wird sich auch weniger mit dem Vogel beschäftigt. Das ist für einen Einzelvogel natürlich besonders entsetzlich. Hier auch noch einmal nachdrücklich der Hinweis, dass Einzelhaltung von Papageien und Sittichen absolut tierschutzrelevant und ein Verstoß gegen unser Tierschutzgesetz ist. Aber auch wenn Vögel ordnungsgemäß zu zweit gehalten werden, kann das Ignorieren des einen Vogels und die intensive Beschäftigung mit dem anderen Vogel zu weiteren Problemen führen.

Und dann gibt es noch wirklich entsetzliche Erziehungs- und Bestrafungs-Tipps in allen möglichen Foren und Online-Gruppen, die häufig nichts anderes sind als „schön geredete“ seelische und körperliche Misshandlungen. Das geht also gar nicht.

All dies trägt nichts zur Problemlösung bei, sondern verschlimmert das Problem. Ein glücklicher Papagei, der sich wohlfühlt, dessen soziale, geistige und körperliche Bedürfnisse erfüllt werden, der keine Angst hat und nicht bedrängt wird, hat es nicht nötig, zu beißen. 

Beißen ist ein Kommunikationsmittel 

Wenn ein Papagei oder Sittich allerdings gelernt hat, dass Beißen das einzige funktionierende Kommunikationsmittel im Umgang mit dem Mensch ist, muss man ihm beibringen, dass es auch andere, bessere Wege gibt. Der Mensch muss lernen, seinen Papagei oder Sittich besser zu verstehen und andere Kommunikationswege für das Tier zu öffnen. Beides ist mit Clickertraining hervorragend zu meistern. Aber darum geht es heute nicht. Ich möchte dir einen Überblick über die besten Tipps für beißende und aggressive Papageien geben. 

Bevor wir anfangen vielleicht noch eine kurze Erklärung, warum ich immer beißende und aggressive Papageien und Sittiche sage. 

Beißen vs. Aggressionen

Es gibt einen tatsächlichen Unterschied zwischen beißenden und aggressiven Papageien & Sittichen. Ich definiere das wie folgt: 

Beißen sind vereinzelte Bisse, während Aggressionen vom Vogel initiierte Angriffe sind. Diese Differenzierung ist wichtig, da es für die Lösung von Bedeutung ist.  Beißen ist eine Reaktion. Aus Sicht des Vogels ist Beißen so gut wie immer Notwehr. Der Vogel hat Angst. Er wird bedrängt, er kann nicht weg und muss beißen, weil er nicht weg kann und sich vor dem Halter schützen muss.

Das Verhalten des Halters bestimmt, ob ein Papagei oder Sittich beißt

Beißen hat also in erster Linie etwas mit dem Verhalten des Halters zu tun. Es wird von ihm verursacht. Der Vogel geht dann lediglich so gut er kann, für ihn logisch, mit der Situation um. Wenn dein Papagei oder Sittich beißt, musst du also in erster Linie lernen, ihn genau zu beobachten, die Situationen, die für ihn unerwünscht sind, zu erkennen, zu verstehen und zu vermeiden. In anderen Worten, du musst lernen, Rücksicht auf ihn zu nehmen.

Wenn dein Papagei oder Sittich beißt, hat er einen Grund

Das kannst du ganz einfach lernen. Zum Beispiel in meinem Kurs Clicker- & Beziehungstraining sind mehrere Module dem Verständnis, Beobachten und sich in den Vogel hineinversetzen gewidmet, damit du in der Hinsicht einfach ein bisschen fitter wirst und dein Vogel sich nicht gegen dich wehren - oder wenn es ein ängstlicher Vogel ist - vor dir flüchten muss. Darüber hinaus lernst du in dem Kurs deinem Vogel die Angst vor gruseligen Situationen, Objekten und Menschen zu nehmen. Dann hat dein Vogel nämlich überhaupt keinen Grund mehr zu beißen.

Aggression hingegen ist ein erlerntes Verhalten. Es entsteht, wenn das Beißverhalten immer wieder belohnt also verstärkt wird, zum Beispiel wenn du „Aua“ schreist oder auch den Vogel einfach mal in Ruhe lässt, wenn er dich beißt oder dir droht. Der Vogel hat gelernt, dass Beißen sich lohnt. Dieses ständige Belohnen - oft über Jahre hinweg - führt dann dazu, dass dieses Verhalten wirklich gut sitzt. 

Aggressionen erscheinen grundlos

Für den Halter erscheinen Aggressionen oft grundlos. Für den Vogel aber sind sie überhaupt nicht grundlos. Er hat einfach gelernt, sehr effizient in seiner Kommunikation mit dem Halter zu sein. Also so zu kommunizieren, dass sein Halter ihn sofort versteht.

Wenn ein normaler Papagei oder Sittich beißt, hat er dich mehrfach gewarnt.

Die Kommunikation deines Vogels ist somit primitiv geworden - sehr eindimensional. Bevor ein "normaler" Papagei oder Sittich beißt, gibt er dir eine Menge Hinweise, dass ihm etwas missfällt. Aber wenn der Halter diese ganze Litanei an subtiler Kommunikation immer wieder ignoriert, dann lässt der Vogel es irgendwann einfach bleiben. Dauerhaft wird nur das Verhalten gezeigt, dass sich lohnt. Subtilität - hat der Vogel also gelernt - lohnt sich nicht, also her mit dem Holzhammer ... oder genauer, dem Schnabel. Dem gewaltig kräftigen, scharfen und spitzen Schnabel. Denn wenn der auf zartes Menschenfleisch trifft, dann hört der Halter zu. Jedes Mal. Also wird das dann also zur Methode der Wahl für den Vogel, damit sein Halter ihm endlich mal zuhört

Der Papagei oder Sittich, der sich in so einer Situation befindet, hat in der Regel auch gelernt, vorausschauend zu kommunizieren. Er wartet also nicht mehr, bis oder ob die gruselige Situation passiert. Sondern haut lieber gleich mal drauf. Warum sollte er das Risiko eingehen? Ist es nicht besser, sich die ganze gruselige Situation von vornherein vom Hals zu halten, anstatt abzuwarten, ob oder dass sie auch tatsächlich passiert? 

Aggressionen sind erlernt

Aggressionen sind also eine Weiterentwicklung des Beißens. Sie sind ein erlerntes Verhalten. Und wenn es bei deinem Vogel mal soweit gekommen ist, dann reicht es nicht mehr, nur dein Verhalten und das Umfeld ein bisschen zu ändern. Dein Vogel muss das aggressive Verhalten entlernen. Er muss lernen, dass man auch erfolgreich ohne Beißen mit seinem Halter kommunizieren kann. Und er muss lernen wie das geht.

Dein Papagei oder Sittich beißt, um sich zu schützen

Das geht natürlich auch über gezieltes Training, aber da musst du viel mehr auf die Details achten. Viel akkurater sein. Denn dein Vogel wird dich angreifen, wenn er bloß vermutet, dass eine Situation passieren könnte, die ihm nicht gefällt - ganz unabhängig davon was du wirklich vorhast oder gerade tust.

Wenn du dann auch noch Anfänger bist, den Vogel nicht so gut lesen kannst, beim Training auch nicht so ganz sicher bist, vielleicht noch Probleme mit der Koordination oder überhaupt der Methode hast, dann kann es ganz schön schwierig sein, Erfolg bei der Umsetzung des Trainings an sich zu haben, von gezieltem Anti-Aggressionstraining mal ganz zu schweigen.

Mit „Schema „F“ kommt man da eher nicht ans Ziel

In solch einer Situation solltest du also am besten mit einem Coach arbeiten, der auf Beiß- & Aggressionsprobleme spezialisiert ist und viel Erfahrung damit hat. Es ist kein theoretisches Problem, sondern dein Coach muss den Weg echt gegangen sein. Und das unzählige Male, damit er wirklich einschätzen kann, was da passiert, passieren könnte und wie es am besten gelöst werden kann, denn nicht jeder Halter und auch nicht jeder Vogel ist gleich. Mit „Schema „F“ kommt man da eher nicht ans Ziel.

Aber zurück zu dir, wenn du derzeit also „nur“ mit Beißverhalten zu tun hast, dann kannst du komplett selbstständig schon eine Menge tun, um das zu bessern. 

Beiß- oder Aggressionsproblem?

Denke mal darüber nach, ob du nur ein Beiß- oder ob du ein Aggressionsproblem hast. Wie machst du das? Nimm‘ dir mal zwei bis drei Situationen, in denen dein Vogel dich gebissen hat und geh‘ die im Kopf noch einmal im Detail durch. Und dann stelle dir folgende Fragen:

1) Warum hat er dich gebissen?

2) Hattest du deine Aufmerksamkeit auf den Vogel gerichtet als der Biss passierte?

3) Hättest du den Biss vermeiden können?

4) Hattest du den Eindruck, dass dein Vogel irgendwie „schlecht drauf“ war?

Wenn deine Antworten auf Fragen 1, 2, 3 und 4 „ja“ waren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du mit einem Beiß- und nicht mit einem Aggressionsverhalten zu tun hast. Dein Vogel hat dir gezeigt, dass ihm etwas nicht passt und du hättest die Gelegenheit gehabt, dich anders zu verhalten, die Situation zu ändern. 

Wenn deine Antwort nur bei Frage 2 - Hattest du deine Aufmerksamkeit auf den Vogel gerichtet als der Biss passierte? - „ja“ war und bei allen anderen Fragen „nein“, dann hast du möglicherweise ein Aggressionsproblem.

Wenn du nicht sicher bist, kannst du übrigens auch mit mir ein Gratis-Erstgespräch vereinbaren und ich helfe dir, die Situation zu analysieren, damit du weißt, womit du zu tun hast. Ohne Diagnose ist eine Heilung echt schwierig.

Gib deinem Vogel deine ganze Aufmerksamkeit

Wenn deine Antwort zu Frage 2) hingegen „nein“ war ... selber schuld. Dann ist es nämlich unmöglich zu wissen, ob du irgendetwas getan hast, was deinem Vogel missfiel, was das genau war, ob er dir sein Missfallen gezeigt hat, bevor er dich schlussendlich biss oder ob er dich wirklich völlig grundlos gebissen hat.

In dem Fall empfehle ich dir nachdrücklich Aufmerksamkeit zu üben. Beim Umgang mit einem beißenden Vogel solltest du ihm immer deine volle Aufmerksamkeit schenken und nicht irgendwelche Dinge nebenbei machen. Nur wenn du bewusst mit ihm umgehst, kannst du die Situation verstehen, sie verbessern und eine Eskalation des Verhaltens abwenden.

Eigentlich wollte ich dir in diesem Podcast meine besten Tipps zum Thema Papagei oder Sittich beißt geben. Aber jetzt ist dieser Podcast so lang geworden, dass ich das Ganze in zwei Teile zerlege. Meine Tipps kriegst du dann also im zweiten Teil im nächsten Podcast zu hören.  

Wenn du bis jetzt zugehört hast, dann gehe ich davon aus, dass dir dieser Podcast gefallen hat. Wenn dem so ist, würde ich mich total über eine 5-Sterne Bewertung freuen, denn das hilft anderen, diesen Podcast zu finden. Der direkte Link zur Bewertung ist: sterne.dievogelschule.com

Nicht vergessen, mein Gratis-Aggressions-Webinar findet am 31. Januar um 19:00 statt.

Wenn du dein Beiß- oder Aggressionsproblem mit uns teilen möchtest, hast du dazu in der Kommentarfunktion hier unten Gelegenheit.

Ich freue mich, von dir zu hören.

LG, Ann.

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