Ann Castro – Die Vogelschule für Papageien & Sittiche
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Papageientraining, Hundetraining und “Der tut nix!”

Papageientraining vs HUndetraining Bild mit Graupapagei und zwei Hunden

Papageientraining ist in Deutschland noch immer eine Seltenheit - Hundetraining und Hundeschulen hingegen völlig normal. Woran liegt das?

Februar. Valentinstag. Der Beziehungsmonat. Dabei geht es natürlich nicht nur um Liebesbeziehungen sondern auch um alle anderen Arten von Beziehungen. Freundschaft, Familie und sogar Gesellschaft. 

Bevor wir anfangen ein kurzer Hinweis, dass der Grundkurs Sittich- & Papageientraining am 11. Februar anfängt. Wenn dich das interessiert, kannst du dich noch anmelden unter www.dievogelschule.com/kurs

Du kannst dir diesen Text auch als Podcast anhören:

Wenn dir mein Podcast gefallen hat würde ich mich riesig über eine ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️-Rezension freuen. 💖 Hier geht's zur Rezension:


In dieser Folge

  • Die Missverständnisse über Sittich- & Papageientraining
  • Warum Hundehalter anders "drauf" sind als Vogelhalter
  • Wieso ein schlecht erzogener Hund für den Halter schlimmer ist als ein unerzogener Papagei oder Sittich
  • Weshalb Fehlverhalten für den Sittich oder Papagei oft schlimmer ist als für den Halter

LINKS

Wir wollen nicht anecken

Damit wir Menschen uns in der Gesellschaft zurechtfinden und nicht überall anecken, werden wir von unseren Eltern erzogen. Wenn wir in einen anderen Kulturkreis geraten merken wir, wie unterschiedlich Normen des guten Benehmens sein können. Und wie wir, selbst wenn wir glauben, alles richtig zu machen, anderen gehörig auf die Füße treten können - einfach, weil wir es nicht besser wissen.

Aber solange wir in unserem eigenen Kulturkreis agieren, ist alles im grünen Bereich.

Hundeschule statt Zwinger

Ähnlich ist es mit unseren nicht-menschlichen Familienmitgliedern. Wenn wir einen neuen Hund haben, bringen wir ihm sofort die Basics bei, also Sitz, Platz, Bleib. Wir bringen ihm bei, nicht an uns hochzuspringen, nicht ins Haus zu pieseln, unsere Schuhe nicht zu zerkauen und uns das Frühstücksbrötchen nicht aus der Hand zu klauen. 

Wenn wir noch nie einen Hund trainiert haben, oder mit dem Training nicht den gewünschten Erfolg haben, gehen wir zur Hundeschule.

Die wenigsten Hundehalter kämen auf die Idee, ihren Hund im Zwinger einzusperren, nur weil sie ihn nicht erzogen kriegen.

Hundeschulen sind keine Eintagsfliegen

Das sieht man auch an den Zahlen. In Deutschland gab es laut dem Industrieverband Heimtierbedarf im Jahr 2017 9,2 Mio Hunde und um die 3500 Hundeschulen. Das habe ich aus einer anderen Quelle: www.diehundeschulen.de. Das ist ein Such- und Bewertungsportal für Hundeschulen. Also nicht Trainer sondern Schulen. Denn manche Schulen haben ja auch Angestellte. Die Anzahl der Hundetrainer müsste also deutlich höher sein. Die Hälfte der Hundeschulen, laut einer anderen Studie, die vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde, ist seit mehr als 10 Jahren im Geschäft. Also keine Eintagsfliegen oder so.

Ziervögel in Deutschland - Tendenz steigend

Beim Sittich- & Papageientraining sieht es ganz anders aus. Es gibt laut IVH ungefähr 5,3 Mio Ziervögel in Deutschland. Davon - leider ohne genaue Zahlenangabe - die überwiegende Mehrzahl Wellensittiche - also mindestens 50%. Großpapageien ungefähr 1 Mio. Die Zahl ist aus der letzen mir bekannten Erhebung, nicht aus dieser - könnte jetzt also analog mehr sein. Damals war die Gesamtzahl der Ziervögel mit 3,4 Mio. deutlich niedriger. 

Papageientraining ist rar

Und bei Nymphensittichen und anderen kleineren Papageienarten dürfen wir raten. Also sagen wir einfach mal Pi mal Daumen Papageien - inklusive Sittiche - ungefähr 3-4 Mio. Das würde also bedeuten, wenn man die Hundeschulen als Maßstab nimmt, dass es in Deutschland irgendwas zwischen 1000 bis 1500 Vogelschulen geben müsste. Davon sind wir Lichtjahre entfernt. Und wenn man dann die anschaut, die seit mehr als zehn Jahren Vögel trainieren - da kriegst du keine Hand voll.

Kurios gell?

Umfrage zu Papageientraining im Schwarm

Und was mache ich, wenn ich mir auf etwas keinen Reim machen kann? Ich frage euch - meinen Lieblingsschwarm.

Dazu habe ich auf meiner Facebook- und auf meiner Instagram-Seite eine Umfrage zum Thema Sittich- & Papageientraining erstellt. 

Das reine Zahlenergebnis der Umfrage war 2/3 „Ja, ich trainiere mit meinen Vögeln“, zu 1/3 „Nein, ich trainiere nicht“.  Das ist jetzt natürlich nicht verwunderlich. Denn Schwarmmitglieder der Vogelschule sind natürlich Training gegenüber sehr viel offener als der durchschnittliche Halter. Viel interessanter sind die Kommentare. 

Die möchte ich jetzt einmal mit euch teilen.

Papageientraining leichter als Hundetraining

Ganz viele Halter wissen nicht - kommen also gar nicht auf die Idee - dass man gerade auch mit den kleinen Arten überhaupt trainieren kann. Dass man eine Beziehung aufbauen kann, die der Beziehung, die man mit einem Hund hat, in nichts nachsteht. Das soll heißen du kannst mit einem Papagei - also wieder inklusive Sittiche - genauso wie mit einem Hund trainieren. Nach meiner Erfahrung geht das Sittich- & Papageientraining sogar wesentlich leichter, da sie einfach intelligenter sind. 

Es heißt auch, dass man mit einem Papagei oder Sittich durchaus eine sehr persönliche Beziehung aufbauen, ja sogar mit ihnen kuscheln kann. Da gibt es also immensen Aufklärungsbedarf. Also zieht in die Lande meine Lieben und erzählt es weiter.

Missverständnisse über Sittich- & Papageientraining

Dann gibt es eine Gruppe Halter, für die Sittich- & Papageientraining negativ belegt ist. Sie finden das widernatürlich. Das finde ich ein bisschen schräg, denn die ganze Haltung von Ziervögeln ist widernatürlich. Das Leben in Käfigen und Wohnzimmern, das Körnerfutter und alles andere ist meilenweit vom natürlichen Leben entfernt.

Wieso nehme ich also als Halter all diese Dinge hin, habe aber mit Training so ein großes Problem? Obwohl Training solch eine massive Verbesserung der Lebensqualität bewirken kann? Ein gut erzogener Vogel wird zum Beispiel viel öfter aus dem Käfig gelassen und kann so mehr am Leben teilhaben und sich auch viel mehr bewegen. Das Leben wird interessanter. Sittich- & Papageientraining an sich, ist ja auch schon eine tolle Beschäftigung. Da können die grauen Gehirnwindungen ordentlich in Bewegung kommen. 

Ethisches Training vs. Dressur

Vielleicht ist es auch einfach eine Frage der Definitionen. Für viele Menschen bedeutet Training leider immer noch Dressur. Also Zwang und zum Teil sogar Misshandlung. Das ist natürlich komplett abzulehnen. Klar. 

Reines Training ist für mich im wesentlichen Technik. Lernen durch wiederholen. Modernes Training, artgerechtes Training, ethisches Training oder wie auch immer man es nennen mag, hat ganz andere Ziele. Hier geht es im Wesentlichen um den Beziehungsaufbau, die Kommunikation und das bessere Verständnis zwischen Mensch und Tier. Nebenbei lernt der Vogel natürlich auch Grenzen und Regeln. Aber das tut auch jedes Kind. Und wer sein Kind erzieht ist ja nicht automatisch ein Kinderquäler.

Zwei Minuten täglich

Eine Sache, die auch wiederholt genannt wurde ist, dass der Halter keine Zeit zum Sittich- oder Papageientraining hat. Eine Trainingseinheit mit einem Papagei oder Sittich sollte maximal zwei Minuten dauern. Also wer keine zwei extra Minuten am Tag für seine Tiere übrig hat, der sollte sich echt mal überlegen, ob er überhaupt Tiere halten möchte. Jeder Hundebesitzer geht täglich mehrfach spazieren und da sollen zwei Minuten für unsere Vögel nicht irgendwie drin sein? Das kann einfach nicht sein. Deshalb vermute ich, dass es da wohl ganz falsche Vorstellungen davon gibt, wie Sittich- & Papageientraining abläuft.

Gesellschaftlicher Zwang

Ein andere Punkt, der mehrfach genannt wurde, ist der fehlende Gesellschaftszwang. Das soll heißen, wenn der Hund schlecht erzogen ist, dann bekommt jeder es mit. Es ist peinlich, wenn man bei jedem Spaziergang an der Leine durch die Pampa geschleift wird. Andere Spaziergänger lassen es den Halter auch sehr deutlich wissen, wie wenig sie es schätzen, von einem fremden Hund angesprungen zu werden. 

Wenn der Hund sich zum Dauerjauler oder -kläffer entwickelt, hat man schnell die lieben Nachbarn am Hals. Und ist der Hund unverträglich oder sogar aggressiv, ist das Drama richtig groß. Nicht ohne Grund haben die meisten Hundehalter eine Hundehaftpflichtversicherung. Der Leidensdruck bei einem nicht funktionierenden Hund ist also immens. Wenn ich als Hundehalter nicht ständig Ärger mit irgendwem haben oder mich nicht ständig schämen möchte, muss ich den Hund erziehen.

Papageientraining im Heim

Das ist bei Papageien & Sittichen natürlich ganz anders. Das Drama spielt sich in den eigenen vier Wänden ab. Da nimmt man als Halter so einiges in Kauf, weil es ja keiner sieht. Und außerdem kann man den Vogel ja auch permanent im Käfig einsperren und schlimmstenfalls in Garage oder Keller verbannen, wo er nicht mehr stört. Dabei wäre mit Sittich- oder Papageientraining so viel zu machen.

Die Nachbarn kriegen das nicht mit. Oder wenn sie es mitkriegen, möchten sie sich nicht einmischen. Weil es ihnen ja nicht wehtut. Die arme Kreatur zieht da den Kürzeren. Traurig. Und leider keine so große Ausnahme wie man glauben mag. Frag mal die Amtstierärzte oder Tierschützer. Die können dir Geschichten erzählen, dass du dich schämst, ein Mensch zu sein.

Ist Sittich- & Papageientraining zu teuer?

Geld wurde auch als Grund genannt. Als Hundebesitzer kann man für kleines Geld Mitglied in einem Verein werden und dort auf den Hundeplatz gehen und ein bisschen Hilfe bekommen. Aber das erklärt ja nicht die Anzahl der Hundeschulen, die ja durchaus und völlig zu Recht gutes Geld für ihre Dienstleistungen verlangen und auch bekommen. Das kann es also nicht sein. 

Die Anschaffungs- und Haltungskosten von Papageien & Sittichen sind durchaus vergleichbar, mit denen von Hunden - zumindest wenn sie einigermaßen anständig gehalten werden. Es ist also eine Frage, ob ein Halter bereit ist, Zeit & Geld zum Wohl seines Tieres zu investieren.

Papageientraining muss Spaß machen

Dann wurden noch soziale Aspekte genannt. Es macht Spaß, in eine Hundeschule zu gehen. Man trifft dort Leute zum austauschen und geht gemeinsam Gassi. Ja - das stimmt. Bei Papageien & Sittichen geht das natürlich nicht. Aufgrund der immensen Ansteckungsgefahr, sollte man es tunlichst unterlassen Vögel verschiedener Halter an einem Ort zusammenzubringen. Virentests sind notorisch unzuverlässig und Impfungen gibt es auch nicht.

Aber das bedeutet nicht, dass Training nur im stillen Kämmerlein stattfinden muss. Es gibt Facebook-Gruppen, in denen Halter, die mit ihren Vögeln trainieren, sich austauschen können. Es gibt online-Kurse über Video-Konferenzen, in denen Sittich- & Papageientraining gemeinsam durchgeführt wird. Dabei kommen soziale Aspekte definitiv nicht zu kurz. Ich biete solche Kurse ja an und kann sehen, wie Freundschaften dabei aufgebaut werden. Man muss ja nicht unbedingt frierend gemeinsam draußen im Schlamm stehen, um sich anzufreunden. 

Deine Entscheidung - für deine Vögel

Die Entscheidung, ob du Sittich- & Papageientraining machen möchtest, liegt natürlich völlig bei dir. Aber es gibt so viel Positives, was du mit Training für deine Papageien und Sittiche bewirken kannst. Du baust Vertrauen auf. Die Vögel werden zahm. Ihr werdet Freunde. Das tägliche Zusammenleben wird entspannter. Deine Papageien & Sittiche werden beschäftigt: Sie werden geistig und körperlich besser ausgelastet. Es macht Spaß. Problemverhalten lassen sich lösen. Und du kannst sogar deine Vögel problemlos zum Tierarzt bringen und medizinisch versorgen

Sittich- & Papageientraining kann deinen Papageien & Sittichen zu einem wesentlich besseren Leben verhelfen.

Deshalb ist die Frage meiner Meinung nach eher: 

Kannst du es dir leisten, mit deinen Vögeln nicht zu trainieren?

Kannst du es verantworten?

LG, Ann. 😃❤️

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